Auf dem Kreuzweg ins Glück oder Sei eine Tote Hose

Auf dem Kreuzweg ins Glück oder Sei eine Tote Hose

(die etwas andere Toten Hosen-Erfolgsstory)

Als ich mich damals in engen Clubs in Düsseldorf mit anderen Kids schubste, waren wir Helden für einen Tag. Wir schrien „Viva the Revolution“, denn die „Armee der Verlierer“ hatte auch ihre „Liebeslieder“. Die Tanzfläche war ein „Kontakthof“, Pogo war Spass und kein „Rambodance“ und ansonsten war „Surfen und Saufen“ angesagt. Am Abend machte man sich Gedanken nur über die „Drei Worte“ wie „Sekt oder Selters:“ Statt Warm- war ich „Bierduscher“ und soff „eisgekühlter Bommerlunder“ und mehr als „10 kleine Jägermeister“, weil „Kein Alkohol auch auch keine Lösung ist“. „XTC“ und „Cocaine in my brain“ war nicht meins, denn es war „Am Ende“ und ich sang lieber „Das Altbierlied“. Später kamen „Drei Kreuze“ oder Straight Edge und schwups wurde man Saftoholiker. Keine Chance für die Liebe“ ? Doch ich wollte „Ein Wunder“ sein und lebte auch sehr „Erotim“. Selbst beim „Mädchen aus Rottweil“ bewegte das „Liebeslied“ die „Sehnsucht in Dir“ Hie und da sagte ich, daß mein „Herz brennt“ Heute würde ich nichts „Tauschen gegen Dich.“, weil wir oft genug wie „Bonnie & Clyde“ sind. Punk sagte immer, sei „Vogelfrei“. Wir liebten: „Reiss DIch los“ zu schreien, „Auf dem Kreuzzug ins Glück“, hatten wir jeden Tag ein „Auswärtsspiel“, wollten und konnten nie „Traurig einen Sommer lang“ sein und hatten immer „Freunde“. „Schwarzwaldklinik“, „Disco“, „Disco in Moskau“, „Beten“ und “ Das WORT zum Sonntag“ passten nicht zum „ROCK ´N` ROLL“.

Wir hatten „1000 gute Gründe“ nie den „Ballast der Republik“ zu akzeptieren. Wir wollten und wollen nie „Kanzler sein“ oder etwa „Depression Deluxe“ haben oder hatten nie das Gefühl im „Leben“ „Nur zu Besuch“ zu sein. Die „Endlichkeit“ war „Niemandsland“. Am „Ende wird alles gut“, weil „wird sind der Weg“. Deshalb können wir uns freuen, an „Tagen wie diese“ zu denken und immer den Slogan „Steh‘ auf, wenn Du am Boden bist“, zu verinnerlichen. Es ist eine „Seelentherapie“. Ist die „Lesbische, schwarze Behinderte“ oder „Sascha, ein aufrechte Deutscher“ oder „Der Froschkönig“ der „Böser Wolf“ ? Egal, soviele der Stars fahren „Unter falscher Flagge“ auf „harter Welle“ und leben ihre Befindlichkeiten in der “ Prominentenpsychose“ aus. Ihre „Seelentherapie“ ist immer nur „Schön sein“ oder „Kauf mich!“ zu schreien. Währenddessen wird dem Spiesser klar, dass er seine Wut kompensieren muss. Vielleicht laufen sie deshalb manchmal selbstverliebt mit der gestarteten „Homolka Kettensäge“ Ballett tanzend durch die lieben Mitbürger. Dann liegen deren Opfer zerteilten Leiber „Drunter, drauf & drüber“ , während ihre Gedärme“ „Super-3-feucht“ herumquellen. Leben kann in Zeiten der Polarisierung schnell vorbei sein und dann heisst es:“Nichts ist für die Ewigkeit“. Für die einen wie „Der Besuch“ „Sonntag im Zoo“, für die Anderen ein „Katastrophenkommando“. Es ist Dein Gewissen „Wofür man lebt“. Wir sind die Entscheider, ob „Alles wie immer“ ist und halten „Bis zum bitteren Ende:“ dagegen.

 

So nachdem ich meine emotionale Haltung zu den Hosen, mein beinhartes Gropupiedasein im Speziellen und Punk im Allgemeinen offenbart habe, kommen wir mal zu den Hardfacts der Band und den Grund für ihren Erfolg als Künstler und als Unternehmer. Das Zusammenlegen von Unternehmertum und künstlerischem Dasein ist gerade in Subkulturen ein echtes Problem. 

Es ist müssig der werten bürgerlichen Leserschaft diese unsortierte, chaotische Jugendkultur, die immer nach Mülleimern, Schmutz und Gestank roch, zu erklären. Die Toten Hosen sind Punkrock und zeigen die politische Kompetente des Punk. Herausragend ist, dass 5 Freunde, durch eine Band zusammenwachsen und darüber hinaus gemeinsam eine Firma führen, aus der ein ganzer Firmenverbund erwachsen ist, der von enen Freunden der Hosen geführt werden. Sogar über den Tod hinaus, bleiben sei in einem 17-Mann-Grab miteinander verbunden,wovon 3 Gräber schon belegt sind. Diese 5-Freunde-gegen-den-Rest-der-Welt, hat sie wohlhabend gemacht. Ein weiterer wichtiger Punkt war und ist, dass die Toten Hosen nicht einen Rockstarfilm drehen, der sich mit Pompöse und Glitter inszeniert. Die Hosen schaffen es zwischen der fiktionalen Ebene der Bühne und andererseits wieder der A. Frege zu sein, klar zu trennen. Man steht zu seinen Niederlagen, instrumentalisiert sie nicht, sondern zeigt Gesicht. Wie wird man nun zu einem erfolgreichen Act oder Firma? Taugt diese Band überhaupt als Musterbeispiel für eine Unternehmungsführung, um als Blaupause für andere artfremde Geschäftsfelder zu dienen? Ja man kann. Das Beispiel der Hosen zeigt, dass man für etwas brennen muss. und das tun die Toten Hosen und darüber hinaus handeln sie sozial und spenden noch etwas oben drein. Egal wie schlecht Deien Grundlagen sind, musst Du nur an Dich glauben. Wenn Dich keiner will, dann glaube an Dich. 

 

Selbstorganisation

Eigenes Label, eigener Musikverlag, eigene PR-Arbeit, eigens Booking, Involvierung von Freunden für das Geschäft. Wenn man diese Basis hat, sich als Freunde und Band vertraut, wirkt man auch zu den Fans ehrlicher. Man sieht hier Menschen auf Augenhöhe. Diverse, wahllos heraus gegriffene Aktionen sorgen für eine stetige Interaktion mit den Fans, die wiederum die Band und ihre Aktionen bewerben.

 

Fannhähe

Man ist, trotz dickeren Geldbeutels, immer ein Teil der Bewegung. Während andere Musiker mit Glamour und hinter dicken Wänden in teuren Villen die Sau raus liessen/lassen und viel Geld verbliesen/verblasen, kochten die Hosen auf kleinerer Flamme. Auf ihre Kosten spielen die Hosen Magic Mystery-Konzerte in ganz Europa in Wohnungen, Zügen, Fischbuden, Fanclubs von Fussballvereinen), in Gefängnissen. Man unternimmt eine Fahrradtour durch Ostdeutschland oder spielt auf dem düsseldorfer Karneval. Die Hosen laden ihre Fans, auf Tour begleiteten Bands und Freunde für eine Wochenend-Grillparty auf die Loreley ein. Die Single „Schön sein“ wird für zwei Tage als kostenloser Download ins Internet gestellt. Mehr als 100.000 Fans aus 73 Ländern nutzen die Gelegenheit. Die Vorbands der Hosen werden bezahlt; haben das gleiche Licht oder Ton wie die Hauptband. Die Hosen begaben sich mit dem londoner Freund TV Smith ins Studio und spielen als Backing-Band die CD „Useless -The Very Best Of T.V. Smith“ ein. Der argentinische Rolling Stone kürte den Auftritt in Buenos Aires zum „Konzert des Jahres“. Mit ihrer Musik sorgen die Hosen, dass ihre Texte und Musik verbreiteter als die von Goethe und Thomas Mann sind.“ Eine argentische Coverband sorgt für die stetige Omnipräsenz. , indem sie die Hosen-Songs im Original spielt. Man ist auch bereit aus Fantum, aus tiefer politischer Überzeugung etwas zu tun und Geld auszugeben, was man sauer verdient. Das sorgt für eine unumstössliche Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit.

Benefizaktionen

Auf einer Tour nahm man von jeder Eintrittskarte 1 DM und zahlte die für einen Spielerkauf, was nur zu einem rechten Bein eines Fortunaspielers reichte oder macht sich zum Trikotsponsor für Düsseldorf Fortuna. Hunderte von Benefizaktionen gegen Rechts werden initiert. Die Hosen schreiben „Sascha – ein aufrechter Deutscher“. Die Erlöse aus dem Verkauf stellten die Hosen dem „Düsseldorfer Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ zur Verfügung und schaffen 500.000,00 DM einzuspielen. Eine Compilation „Stop Chirac“, richtet sich gegen die Atomversuche der französischen Regierung, mit dem Hosen-Titel „Tour Pour Sauver L’Amour“ (Alles nur aus Liebe). Die Compilation erscheint auf dem Band-Label JKP. Mit der selbstproduzierten Compilation „On the Run“ der Menschenrechtsgruppe Pro Asyl ist man mit dem Titel Meine Stadt vertreten. Bei den von Bob Geldof initiierten „Live 8“-Benefiz-Konzerten in Berlin, dem G8-Gipfel und Edinburgh durften die Hosen natürlich auch nicht fehlen. Bob Geldof vermittelte den Hosen eine Reise durch das Herz des ärmsten Kontinent namens Afrika unter der Leitung der Entwicklungshilfsorganisation OXFARM. Die Hosen werden bei einem Konzert, das den Protest gegen die Einlagerung von Castor-Behältern mit Atommüll in Gorleben unterstützte, von der Polizei verprügelt. 2002 posiert man unbekleidet auf den Plakaten der Tierschutzorganisation PETA nach dem Motto: „Lieber nackt als im Pelz“. Auf der Toten Hosen-Seite gibt es jeweils eine Seite über Oxfarm, die einen wirtschaftlichen Ausgleich mit den Industrienationen fordert und die Initiative Pro Asyl, die für ein neues, humaneres Asylrecht, stimmt. Hinzu kommt es, dass die Band und die Mitglieder sich nicht im reinen Rock- und Popuniversum bewegen, sondern auch Experimente im genrefremden Umfeld machen und diese erfolgreich umsetzen. Das sorgt auch für eine glaubwürdige Vernetzung mit anderen Musikstilen und einem erweiterten Zielpublikum.

Ungewöhnliche Projekte

Unter Regie von Bernd Schadewald stehen die Toten Hosen mit „Hier kommt Alex“ auf der Bonner Theaterbühne. Der Autor Anthony Burgess schrieb den ZukunftsromanA Clockwork Orange aus dem Jahr 1962, den Stanley Kubrick 1978 als A Clockwork Orange verfilmte. Touren durch ganz Europa, Amerika/Südamerika, Asien,Jordanien, Libanon, Australien, Einzelshows in Kuba, Tel Aviv, Istanbul, Kasastan. Fussball- und Eishockeyspiele gegen div. Mannschaften (ua. die Band Leningrad Cowboys). Campino spielt Mackie Messer in der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht, inszeniert von Klaus Maria Brandauer. Wegen des großen Publikumerfolgs geht das Stück in die Nachspielzeit und beschert 70.000 Zuschauer. Die Hosen, schon immer große Fans von Punk-Rock-Karaoke, bekommen ihre eigene SingStar-Edition. Die Toten Hosen erinnern im Oktober 2013 in Zusammenarbeit mit dem Orchester der Robert-Schumann-Hoschule Düsseldorf an die sogenannte entartete Musik durch die Nationalsozialisten. Im Oktober 2014 wird der Band die Josef-Neuberger-Medaille der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf verliehen. Für den Film „Hochzeitspolka“ eine polnische Version von „Eisgekühlter Bommerlunder“ aufgenommen, unter dem Titel „Zamrozona Wyborowa“. Insgesamt wirken die Hosen an 9 Kino- und TV-Filmen als Schauspieler mit. Die Hosen spielen mit den Biermösln Blasn. Mit dem New Yorker Rapper Fab Five Freddy wird die wohl erste „Punk-meets-Rap“-Platte der Musikgeschichte eingespielt: „Hip Hop Bommi Bop“, des „Eisgekühlten Bommerlunder-Liedes. Neben den innovativen Ideen, den vielen Konzerten an der Fanbasis sucht man den Support für grosse Acts. Man bedient sich der typischen Musikbiz-technischen Marktmechanismen.

Strategische Supports/Co-Headline für Weltstars

Ob Rolling Stones, Green Day, U2, ACDC die Hosen sind Support/Co-Headliner. Iggy Pop und die Toten Hosen werden von den Ramones zu ihrem Abschiedskonzert eingeladen und spielen vor 50.000 Argentiniern

Preise/Plattenverkäufe

Neben den vielen persönlichen Erfolgen gibt auch der kommerzielle Erfolg der Band Recht. Musik ist ein grosser Transporter von Emotionen oder löst sie aus. Ein Kauferlebnis wird meist aufgrund einer Emotion ausgelöst oder von ihr geleitet. Ein guter Verkäufer kann gut Emotionen auslösen. Man bedient sich der typischen Musikbiz-technischen Marktmechanismen. Das heisst man beliefert/verkauft an Schallplatten-Läden, kleinere Mailorder und nutzt eben die grossen Handelsketten, die MP3-Shops, Amazon etc. . Somit beliefert man die Szene, Plattensammler und auch eben den Mainstream. Beide kommen auf ihre Kosten. „Kreuzzug ins Glück“ steigt als viertes Album direkt auf Platz eins in die Media-Control-Charts ein. Insgesamt passierte das mit neun Alben. 8 Echos, unzählige Cometpreise etc., unzählige Platin- und Gold-Schallplatten sind weiteres Zeugnis des kommerziellen Erfolgs. In der Dauerrotation der deutschsprachigen Radiocharts zu gelangen, zeugt von weiteren Erfolgen der Toten Hosen. Die Dauerrotation von Videos auf Viva und MTV, die Millionen Klicks der Videos auf youtube etc. komplettieren den Erfolg.

Nutzung/Umsetzung der kompletten Wertschhöpfungskette

Nachdem man sich seiner Verkaufsfähigkeiten durchaus bewusst ist, wird die Wertschöpfungskette ausgebaut und professionalisiert. Aber die Hosen benutzten schon früh die bürgerliche Presse, die Fanzineszene das Musikfernsehen, um ihre Inhalte zu propagieren. Auch die Vertriebsmöglichkeiten der Musikindustrie nutzte man intensiv. Man versperrt sich auch nicht seine Bilder, Videos und Merchandise penetrant auszuwerten. Dieses Wechselspiel verhilft den Hosen schon früh, anfangs bescheidenen und mittlerweilen ordentlichen Nebeneinnahmequellen bzw. Mehreinnahmen und zu konstanten, ausbaufähigen Geschäften Damit die Hosen, die Wertschöpfungskette besser ausnutzen können, bauen sie ihr kleines Imperium weiter aus: das eigene Label Jochen’s Kleine Plattenfirma, sowie ein eigenes Bookingunternehmen, KKT (Kikis Kleiner Konzertservice), ein Merchandiseunternehmen namens Kauf-Mich-GmbH und einen Musikverlag. Das nennt man im Fachchinesisch „Vertikale Integration“.

 

DIE LAUNE DER NATUR

Na die heisse Scheibe liegt noch jungfräulich auf dem Wohnzimmertisch. Frisch erworben ist langsamer besprochen. Auf der jetzigen Platte gibt es keine richtigen Überraschungen, aber die Musik kann grossbegrifflich als Punkrock beschrieben werden, wobei hier mehr Rock, denn Punk zu hören ist. Ich finde, dass sie gut durchläuft und begeistert. Man bleibt in seinem Universum des Singalongs, melodischen Backgroundchors und setzt auf Eingängigkeit. Aber hier regiert auch der Vollumen des Rocks und nicht filigrane Kopfmusik, die sich oft durch Sezierung, denn Ertanzen, erschliesst. Hie und da beteiligen sich die Harfe, Ukulele und Posaune an der musikalischen Dichte und lockern sie auf. Die Texte haben mehr Poesie und einen rhythmischen Klang, als viele andere Platten. Da hoppelt der Hansch schon mal durch die Hütte. Gut ein bisschen mehr Experiment hätte ich mir gewünscht, aber die Platte ist treibend und hat Energie. Inhaltlich nimmt man von vielem Abschied: sei es von alten Weggefährten mit denen man auch Geschäfte machte, von Erinnerungen, verflossenen Lieben oder die Wehmut welche Wege manche Dinge genommen haben. Aber kein Text ist peinlich oder wirkt so pathetisch wie früher. Die Hosen haben die Kernseife des Lebens genommen und sich gewaschen. Der eh spärliche Glitzer und Glamour ist vollkommen weg und der Pathis erdolcht, der sonst so behherrschend die Texte beherrschte . Man konzentriert sich weg von den grossen Gesten zum eigenen Teller. Es gibt viel Peinlicheres, Unehrlicheres, was sich ls Poplüge entlarvt. „Laune der Natur“ ist der beste Beweis, dass es ihnen vortrefflich gelungen ist.

 

CD: 1. Urknall 

Geiler Text wie alles begann, während die Musik wie ein Patenkind der „Learning English Part Two“ -Platte knallend und rauschend in den Hörmuscheln entfaltet. Die Musik ist sehr breaklastiger alter amerikanischer Ostküsten-Punk der besten Sorte. Klasse

 

2. Alles mit nach Hause

Man sammelt seine Emotionen, seine Erfahrungen auf Tour, die wirklich berühren und schwingt. Man frisst diese wie ein heißhungriger Adrenalin-Süchtel, der dieses Liveerlebnis in die Realität produzieren will. Der Sound unterstreicht es , um vom speedigen Rock bis zu melancholischen Parts herunter zu drosseln.

 

3. Wannsee 

Der Wannsee kratzt an dem Monumentalsong von Ärzte’s „Westerland“, der aber eindeutig poppiger ist. Ein bisschen Nothern-Soul, ein bisschen Shuffel mit Reggae im Stil des The-Clash-Sounds, um vor allem im Refrain ordentlich den Punk loszutreten. Man spielt mit dem Refrain Wann Sehe und Wannsee.

 

4. Unter den Wolken 

Stadionrock, der sperrig und verkopft ist, sich in unrunden Melodien versteigt; im Refrain explodiert er leicht dissonant und versteigt sich regelrecht in diese Dissonanzen. Damit wird die Ebene zu Reinhard Mey’s „Über den Wolken“ der Leichtigkeit beraubt, was aber einen völlig neuen Reiz erlebt und Organizität ausstrahlt. 

 

5. Pop & Politik 

Sehr krachiger, sehr treibender Song, der sich fast im Metal versteigt, aber eben auch wieder den Hosen-Singalog-Brüll-Refrain besitzt und lecker das Hirn frei bläst. Solider, krachiger Rockcore. Sehr guter Text, der die Antwort auf all die Kritiker bietet, dass man sich nicht beirren lässt.

 

6. Laune der Natur 

Sehr schöne Zusammenfassung, dass wir nicht die Offenbarung der Natur sind, sondern schlicht und ergreifend nur ein Teil in dieser Welt, der sich viel zu ernst nimmt. Der solide Mitgröhlrock setzt sich fest , und ist der Energieträger. Leider saust er zu schnell vorbei und verpasst ein paar winkende Ethnoelemente, als Mitfahrer einzuladen.

 

7. Energie 

Der Song ist klasse, weil er genau das zeigt, was ich unter einem positiven Lebensgefühl verstehe. Man versteigt sich regelrecht in den dissonanten Bereich. Er ist nicht seiner treibenden Kraft beraubt, sondern offenbart sich breit. Krachiger Chanson meets Hardrock, fast wie bei Hüsker Dü.

 

8. Alles passiert 

Wieder ein Abschiedstext, der im melancholisch-tobenden Tote-Hosen-Universum mit kräftigen Poprock-Elementen stattfindet. Rührselig, nicht zu kitschig, aber auch mit diesen Ohohohoh-Chorussen. Ich mag es trotzdem.

 

9. Die Schöne und das Biest 

Typischer alter Punkrock mit Gröhlfaktor. Der Text ist eine Remistenz an Tarrentino, den ich auch sehr schätze. Das knallt schön nach vorne, aber die gesamte Musik ist ein wneig gealtert, etwas träge. bringt nicht die Kraft des Textes herüber. Da hätte man ruhig mal ein bisschen Neubauten oder Krupps hören und Elemente von einbauen sollen.

 

10. Eine Handvoll Erde 

Schöner Text für Wölli und Jochen, die Beide abdankten. SELTEN SO EINEN INTENSIVEN Text zum Thema Tod und Abschied gehört. Da hat sich Campino voll übertroffen.

 

11. Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)

Ein Anfangsbeat vom „Genises“Chord von der England-Party-Legende Peter And The Test Tube Babies. Geiler Partykracher mit Gröhlfaktor. Ein ungewohnter Break, der aber nicht die Kommandantenposition, in dem fluffig-flutschigen Gröhl-Schunkel-Textschema übernimmt. Inhaltlich beweint man seine schwindene jugendliche Unzerstörbarkeit. Dafür muss Breiti’s Geburtstagsparty für die Aufarbeitung des nahen Rentnertums herhalten. 

 

12. ICE nach Düsseldorf 

Ein bisschen Action verbreiten, unstet sein, die alten Punkslogans nochmal geschickt einstreuen, während man gut durchrattet. Punkrock mal glatter mit der nötigen Energie und Intention der Bewegung. Lauf los und mache was. Man kann auch als gealteter Rockstar bequem im ICE dieses Gefühl geniessen und muss nicht mehr schwarzfahren. 

 

13. Geisterhaus

Melancholische Stimmung mit einer Ukulele und Harfe, was immer wuchtiger wird. Geisterhaus behandelt das Thema Vergänglichkeit und Wert der Vergänglichkeit superb.

 

14. Lass los 

Dieses wundervolle Liebeslied im flotten Poprock-Uptempo appeliert an die wahren und wertigen Gefühle einer Beziehung und die Beendigung der selbigen. In der adrenalingeschwängerten Agression weht die Wehmut mit, die unüberhörbar ist.

 

15. Kein Grund zur Traurigkeit

(Lead Vocals: Wölli) Ein sehr feiner Zug Wölli’s Lied nochmal zu spielen und ihn singen lassen. Ein geiler Song sich zu verabschieden und keine Angst zu haben, loszulassen. Er war ein ganz feiner Kerl und bis zum Schluss Punkrocker. Der Song spielt in einer Liga in dem Cash Song-Universium, was der sehr blues-gestimmte Sound der Akkustikgitarre mit der Barriton-Stimme gut abrundet.